Garten/Natur

Die Wicke und ihre Schwestern

Meine Lieben, der Duft von Wicken erinnert mich immer an die Sommerferien im Garten meiner Großmutter. Dort hangelten sich die Pflanzen mithilfe ihrer zarten Wickelranken an eigens dafür gespannten Schnüren die Hauswand empor, verwandelten den Zaun in ein pastellfarbenes Blütenmeer und ließen die hässliche graue Garagenwand hinter ihrem rosa, lila und weißen Gewimmel vergessen. Das Schönste aber war: man durfte immer ein paar Stängel für die Vase abschneiden und den bezaubernden Duft von Sommer ins Haus holen. Natürlich habe ich diese Nostalgie-Blume inzwischen auch in meinem eigenen Garten. Die Blüten erinnern in ihrer Zartheit an Schmetterlinge und tatsächlich gehören die Wicken zu den Platterbsen (Lathyrus) und diese zu den Schmetterlingsblütlern (Fabodieae).

Wicke

Die Duftwicken (Lathyrus odoratus) gehören zu den Einjährigen, was bedeutet, dass man sich aus den kleinen kugeligen Samen jedes Jahr neue Pflanzen ziehen muß. Die bequemere Alternative ist, eine Staudenwicke (Lathyrus latifolius) zu pflanzen, denn die treibt jedes Jahr wieder neu aus und wird im Lauf der Jahre immer üppiger und schöner. Im Aussehen sind sich die beiden sehr ähnlich, nur: leider, leider fehlt der langlebigen Schwester der Duft!

Samen3

Staudenwicke

Im Schatten der beiden Schönen spielt sich das Leben der unscheinbaren, kleinen Schwester ab: der Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus). Wie der Name schon verrät, ist sie die Erste im Jahr. Sie blüht kurz nach dem Austrieb, im März und April und ist mit einem schattigen Plätzchen unter Bäumen und Büschen zufrieden. Bienen und Hummeln danken es ihr. Leider sind auch die ersten Schnecken von diesem zarten Leckerbissen recht angetan und machen sich gerne über die Blüten her. Hoch hinaus will sie mit ihren ca. 40 cm nicht, dafür bildet sie dichte Horste mit vielen Blütentrieben. Dennoch lässt sich ihre Familienzugehörigkeit an den Blüten ebenso leicht erkennen wie an den Samenständen.

Frühlingsplatterbse

Wicken 1

Die Schoten erinnern zunächst an die typischen Hülsenfrüchte. Ein paar Wochen später, wenn die Samen gereift sind, passiert aber Folgendes:

Samen2

die Hülsen trocknen spiralförmig ein um dann aufzuplatzen und die Samen in die Umgebung hinauszuschleudern. Ballochorie nennt man diesen Mechanismus zur Vermehrung.

Samen4

Im letzten Jahr hatte ich mir ein paar Schoten ins Haus geholt, weil ich Samenkörner sammeln wollte. Damals kannte ich ihren Trick noch nicht und wunderte mich sehr darüber, als ich zwar die aufgeplatzten Hüllen vorfand, von den Früchten aber jede Spur fehlte….

Hier hatte ich sie dann eingesammelt…

Samen1

… und in kleine Tütchen gepackt.

Samen5

Für die nächste Generation der Frühlings-Platterbse ist gesorgt…

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Advertisements

4 Kommentare zu “Die Wicke und ihre Schwestern

  1. Oh ja, Wicken … Ihr Duft ist unglaublich. Ich mag sie sehr. In unserem Garten hatte ich mit Wicken bisher kaum Glück, auf dem Balkon auch nicht. Das mit den Samenschoten ist bei Lupinen auch so, da sind mir die Samen auch schon abhanden gekommen. 😉 Lupinensamen sammele ich auch fast jedes Jahr, die kann man auch so schön verschenken …

    Gefällt mir

    • Die Duftwicken sind leider auch bei den Schnecken beliebt, und von denen gibt es heuer wieder eine Menge…. Sonst brauchen die halt viel, viel Sonne. Das Foto stammt übrigens vom letzten Jahr, im Moment in sie noch knospig. MIt den Lupinen hab ich kein Glück 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s