Unterwegs

Zwölf Stationen…

…mit der U-Bahn sollten laut Fahrplan 16 Minuten dauern. Dazu noch zehn Minuten Fußmarsch zur Haltestelle und ein paar Minuten, um die Zieladresse zu finden. Eine Stunde würde also locker reichen. Dachte ich. Und machte mich, das Geld für die Fahrkarte schon in der Jackentasche, auf den Weg. Der Herr vor mir am Fahrkartenautomaten kannte sich wohl nicht aus, es dauerte. Als ich endlich dran war, spuckte der Kasten meine Scheine wieder aus. Mit etwas Spucke ließ er sich überlisten, da hörte ich unten die U-Bahn einfahren. Karte knicken, stempeln, Treppe runter – und weg war sie. Zehn Minuten warten. Dachte ich. Nach elf Minuten ertönte die Ansage, der nächste Zug fährt in 8 bis 10 Minuten. Na gut, schaff ich schon noch. Nicht alle hatten so viel Zeit im morgendlichen Berufsverkehr. Ungeduld, das eine oder andere Schimpfen, der Bahnsteig füllte sich. An dieser Haltestelle, am Anfang der Strecke, will noch niemand aussteigen, alle drängten sofort in die Wagen. Ich fand einen bequemen Stehplatz, die Bahn fuhr langsam an und blieb kurz ruckartig wieder stehen. Eine Ansage beruhigte die Gemüter: „Nur ein kleiner Stromausfall, tut mir leid, geht scho weiter.“ Am nächsten Halt wurden wir schon erwartet, mein Stehplatz nicht mehr ganz so bequem. Alle drinnen, Türen zu, Klopfgeräusche. „So, jetzt müss ma alle miteinander nochmal die Türen aufmachen“ – “ oane fehlt noch!“ Und tatsächlich schlossen die Türen vorschriftsmäßig, die Fahrt ging weiter und der Fahrer schickte ein „Danke, des hamma alle mitnander guat gmacht“. Auf wenigen Gesichtern war tatsächlich ein Lächeln zu sehen. Das Türenspiel wiederholte sich an der nächsten und dann noch an mehreren Bahnhöfen. Zeit sparten wir an der Implerstraße ein, denn dort gab es wegen Bauarbeiten kein Halt. „Jetzt müssts alle noch a Stückl mit mir mitfahrn“,  kam der Kommentar vom Fahrer. Am nächsten großen Halt, am Sendlinger Tor, wollten ebensoviele aus- wie einsteigen. Auch das hatte unser Mann im Griff. „Gehts da draußen a bisserl auf d´ Seit´n, denn hier wolln heut viele aussteigen!“  Der Schichtwechsel brachte mir tatsächlich einen Sitzplatz ein und der Rest der Fahrt verlief  ganz reibungslos und fast schon langweilig. Zu meinem Termin habe ich es gerade noch rechtzeitig geschafft.

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Die verspiegelte Decke im U-Bahnhof Münchner Freiheit bietet interessante Motive.

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Ein herzliches Danke an den Münchner U-Bahnfahrer, der die Situation mit seiner ruhigen, gemütlichen Stimme gerettet hat!

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7 Kommentare zu “Zwölf Stationen…

  1. Die verspiegelten Decken im U-Bahnhof Münchner Freiheit faszinieren mich seit langem schon sehr, aber bislang habe ich noch kein vernünftiges Foto davon zustande gebracht. 😉
    Ja, die Öffentlichen und ihre Tücken, die haben schon häufig meine Terminplanungen durcheinander gebracht… Gut, wenn man dann wenigstens einen besonnenen Fahrer hat. 😉

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  2. Hin und wieder finde ich es ganz interessant, die Öffentlichen zu nehmen, aber u.U. passieren ähnliche Dinge wie mit dem Auto und man muss bangen, ob man wegen der Widrigkeiten alles Geplante auch schafft.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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  3. Interessante U-Bahnhof-Perspektiven hast Du eingefangen, Gaby. Ich fahre derzeit nicht mehr so oft öffentlich, habe aber auch schon hier und da das Vergnügen gehabt, beinahe schon kabarettistisch begabten Münchner U-Bahnfahrern lauschen zu dürfen. Bewundernswert, wie so mancher von denen so de-eskalierend aus der Ferne einwirken und die Massen in geordnete Bahnen lenken kann, einfach mit einem Augenzwinkern und einem kleinen Schuss Humor. Das tut so gut, wenn man selbst auf dem besten Weg zum Nervenzusammenbruch im Gedränge ist. 😉

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      • Oh je, Du Arme! Ja, manchmal ist U-Bahnfahren einfach nur voll nervig. Den U-Bahnhof MUC Freiheit mag ich übrigens sehr gern, der wirkt auf mich immer so luftig und ziemlich entspannt. Freiheit halt!

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