Uncategorized

Die Lederhosen-Saga

Meine Lieben, fürs erste landete es in der Kruschkiste, weil mir gerade kein besserer Platz eingefallen war, dort blieb es natürlich liegen und geriet in Vergessenheit und nur durch einen Zufall kam es vor ein paar Tagen wieder ans Tageslicht. Ein Gedicht, in dem es um Bewahren, um in Ehren halten, um Beständigkeit und Tradition geht und um das sich immerzu wiederholende Kommen und Gehen. Einige von uns werden es noch aus ihrer Schulzeit kennen.  Es stammt von Börries von Münchhausen (1874 bis 1944), der übrigens nichts mit dem Lügenbaron zu tun hat.

Es war ein alter schwarzbrauner Hirsch,
Großvater schoß ihn auf der Pirsch,
und weil seine Decke so derb und dick,
stiftete er ein Familienstück.
Nachdem er lange nachgedacht
ward eine Hose daraus gemacht –
denn Geschlechter kommen, Geschlechter vergehen,
hirschlederne Reithosen bleiben bestehen.

Er trug sie dreiundzwanzig Jahr,
eine wundervolle Hose es war!
Und als mein Vater sie kriegte zu Lehen,
da hatte die Hose gelernt zu stehen.
Steif mit durchgebeuelten Knien
stand sie abends vor dem Kamin –
Schweiß, Regen, Schnee – ja, mein Bester:
Eine lederne Hose wird immer fester!

Und als mein Vater an die Sechzig kam,
einen Umbau der Hose er vor sich nahm.
Das Leder freilich war unerschöpft,
doch die Büffelhornknöpfe war´n dünngeknüpft
wie alte Groschen, wie Scheibchen nur –
er erwarb eine neue Garnitur.

Und dann allmählich machte das Reiten
ihm nicht mehr den Spaß wie in früheren Zeiten.
Besonders der Trab in den hohen Kadenzen
ist kein Vergnügen für Exzellenzen.
So fiel die Hose durch Dotation
an mich in der dritten Generation.

Ein Reiterleben in Niedersachsen –
die Gaben der Hose war´n wieder gewachsen!
Sie saß jetzt zu Pferde wie aus Guß
und hatte wunderbaren Schluß.
Und abends stand sie mit krummen Knien
wie immer zum Trocknen am Kamin.
Aus Großvaters Tagen herüber klingt
eine ferne Sage, die sagt und singt,
die Hose hätte in jungen Tagen
eine prachtvolle grüne Farbe getragen.
Mein Vater dagegen – das weiß ich genau –
nannte die Hose immer: grau.

Seit neunzehnhundert ist sie zu schaun
etwa wie guter Tabak: braun!
So entwickelt sie, fern jedem engen Geize
immer neue ästhetische Reize.
Und wenn mein Ältester sie einst trägt,
wer weiß, ob sie nicht ins Blaue schlägt!

Denn fern im Nebel der Zukunft schon
seh ich die Hose an meinem Sohn.
Er wohnt in ihr, wie wir drin gewohnt
und es ist nicht nötig, daß er sie schont.
Ihr Leder ist gänzlich unerschöpft.
Die Knöpfe nur sind wieder durchgeknöpft,
und er stiftet, folgend der Väter Spur,
eine neue Steinnußgarnitur.

Ja – Geschlechter kommen, Geschlechter gehen,
hirschlederne Reithosen bleiben bestehen.

Lederhose 2                Lederhose 1

Ob diese beiden Herren ihre Ledernen auch einst weitergeben werden?

Advertisements

5 Kommentare zu “Die Lederhosen-Saga

  1. LOL
    Mein Mann hat seine Lederhose nach vielen Jahren aus Passformgründen weitergegeben, musste aber später wieder eine eigene haben. Dieses Jahr haben wir unserem Großneffen eine Kinderlederhose geschenkt – so süß! c

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s