Deko/Natur/Sachen machen

Hühnergötter

Meine Lieben, die Urlaubszeit ist auch die Zeit der Mitbringsel. So durfte auch ich mich kürzlich wieder einmal über eine kleine Überraschung freuen. Sie stammt von der Ostsee und besteht aus einem Schächtelchen, gefüllt mit allem, was man beim Strandspaziergang so findet: Sand, Muscheln, Federn, getrocknetem Seegras, Treibholz, bunten Steinchen – und einem Lochstein, auch Hühnergott genannt.

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Diese Steine, meistens Feuersteine, vom Wasser ausgehöhlt, mit einem oder gar mehreren durchgehenden Löchern, gelten als Glücksbringer. Vermutlich bei den Krim-Tataren entstand der Brauch, diese Steine als Amulette im Hühnerstall aufzuhängen um das Geflügel zu schützen. So ganz genau weiß man den Ursprung dieses Glaubens jedoch nicht. Ich habe auch gelesen, dass es Augenleiden lindern soll, wenn man durch solch ein Loch hindurch schaut.

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Bei uns wurde der Begriff „Hühnergott“ in den 1960er Jahren bekannt, als der gleichnamige Roman vom Russen Jewgenij Jewtuschenko – eine Liebesgeschichte – als deutsche Übersetzung angeboten wurde. Ich hab da mal reingeschaut:

„…Und plötzlich sah ich einen Hühnergott. Er war nicht grau, wie gewöhnlich, sondern durchsichtig, mit korallenfarbigen Adern. Das Loch war genau in der Mitte. Er lag direkt vor der weißen gerippten Spitze meines Basketball-Schuhs. Ich bückte mich und hob den Hühnergott ganz vorsichtig auf, so als fürchtete ich, er könnte allein schon durch meine Berührung auseinanderfallen. Und lachte traurig. Ein Loch war da, aber nicht ganz durchgehend. Dieser Stein brauchte etwa hundert Jahre, vielleicht sogar noch mehr, damit das Löchlein vollständig und der Stein ein Hühnergott werde. Im Augenblick war das nur ein Halbgott, der so tat, als sei er ein Gott.
Ich warf ihn ins Meer, und mit einer Aufmerksamkeit, die einer besseren Sache Wert gewesen wäre, begann ich, alle anderen Steinchen zu betrachten, die in der Nähe lagen. Denn wir glauben ja immer, daß neben dem nur zur Hälfte Echten das Echte zu finden sei. Wenn wir es aber nicht finden, so trauern wir dem Halbechten nach, das wir so unachtsam und undankbar zurückgewiesen haben…“

MIt diesem Lochstein in dem Schächtelchen ist meine Sammlung also wieder gewachsen. Ein paar kleineren Vertreter habe ich vor längerer Zeit einmal aufgefädelt und im Garten aufgehängt. Inzwischen war der Draht rostig geworden und ein paar neuere Steine lagen noch herum. Also habe ich das Windspiel heute erneuert.

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In der Vogeltränke liegen ein paar größere Exemplare. Erstens, weil ich meine, die See-Steine gehören ans Wasser und zweitens, weil der Zauber vielleicht ja auch bei Amsel, Meise und Co. wirkt.

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Der hier hing schon etwas länger im Garten, an ihm wachsen schon Flechten und im Loch Moos.

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Ja, meine Lieben, so kann es in einem Münchner Garten aussehen, wenn einer der Bewohner von der Ostsee stammt!

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2 Kommentare zu “Hühnergötter

  1. Ja, in den vielen Jahren, die ich mit meinem Ostsee-Mann verheiratet bin, sind schon eine Menge Steine zusammengekommen. Dabei findet man die gar nicht so leicht…
    LG

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