Garten/Natur

Besuch

Nanu, kleines Krähenkind, was willst du denn hier, auf der Fußmatte vor unserer Haustür? Nein, du brauchst vor mir keine Angst zu haben, ich will nur schnell ein paar Fotos von dir machen.

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War das dein erster Ausflug? Weit bist du nicht gekommen, dein Nest liegt nur ein paar Meter entfernt, auf der anderen Straßenseite. Ich habe zufällig beobachtet, wie die freche Nachbarskatze zu euch hinauf klettern wollte, jedoch mit großem Getöse von deinen Eltern verjagt wurde.

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Ich habe keine Ahnung, wie lange du hier schon sitzt. Eine Stunde oder zwei…?  Deine missliche Situation ist deinen Eltern wohl noch gar nicht aufgefallen.  Ich kann sie nirgends entdecken. Sie haben wohl genug mit deinen Geschwistern zu tun. Zwischen zwei und sechs Eier legt Mutter Krähe, die sie dann 20 Tage lang ausbrütet. Anschließend bleibt ihr kleinen Nesthocker noch einen guten Monat lang in eurem Nest und werdet von Mama und Papa versorgt. Demnach bist du jetzt vielleicht fünf, sechs Wochen alt. Ein paar Wochen lang wirst du die Fürsorge deiner Eltern noch genießen dürfen – hoffentlich.

Krähe

Sieh mal an, nicht nur Hunde- und Katzenbabys haben in ihren ersten Lebenswochen blaue Augen, auch Vögel….

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„Quax der Bruchpilot“ kommt mir in den Sinn. Das ist ein Film von 1941, in dem Heinz Rühmann eine Ausbildung zum Piloten gewinnt, sich zunächst arg ungeschickt anstellt und schließlich selbst zum Fluglehrer wird. Also, kleiner Quax, streng dich an!

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Inzwischen sitzt du mit aufgesperrtem Schnabel hier in der Hitze. Ich werde dir mal Wasser bringen…

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…obwohl ich gar nicht weiß, ob du schon alleine trinken kannst. Muttergefühle steigen in mir auf: was mache ich nur mit dir?

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Seit ich dich entdeckt habe, ist schon eine Stunde vergangen. Wie oft brauchst du denn Futter? Und was steckt dir Mama immer so in deinen Schlund? Eigentlich seid ihr ja Allesfresser. Ich sehe mich schon auf Insektensuche…. Im Keller gibt es noch eine Dose Katzenfutte für die Stromer aus der Nachbarschaft. Im Netz finde ich keine Antwort auf meine Fragen. Was mach ich denn nur…?

Da höre ich sie. Endlich, sie haben dich gefunden. Richtig erleichtert bin ich. Aber wie geht es jetzt weiter? Mama oder Papa – ich kann sie nicht unterscheiden – sitzt im Baum gegenüber auf Beobachtungsposten. Mehr nicht. Trotzdem bin ich froh darüber, die Verantwortung für dich kleines Wesen wieder zurückgeben zu können.

Der Elternvogel sitzt etwa eine Stunde lang auf dem Wachposten. Er kennt das Spiel vielleicht schon und wartet einfach mal ab. Ich traue mich jetzt nicht mehr hinaus. Schließlich hört man oft genug von den Attacken auf Passanten. Dann endlich erbarmt sich die/der Alte und fliegt zu seinem Kind. Jetzt kann ich eine Unterhaltung zwischen euch beiden hören. (Bisher warst du still.) Irgendwo habe ich gelesen, daß die Küken auch ausserhalb des Nestes noch mit Futter versorgt werden. Dann gibt es jetzt vielleicht eine Stärkung? Leider kann ich vom Fenster aus nicht sehen, was unter dem Vordach passiert, aber irgendwie habt ihr es geschafft.

Du bist wieder da, wo du hingehörst.

Feder

Viel Glück für deinen nächsten Flugversuch!

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4 Kommentare zu “Besuch

  1. Ist es nicht wunderbar, wie sehr uns so ein Erlebnis den Tag versüßen kann, dass man es mitteilen möchte? Ich wäre da auch ein wenig hilflos gewesen, aber es hat sich alles geregelt 🙂 .

    LG Anna-Lena

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  2. Wann erlebt man schon mal ein Rabenkind aus nächster Nähe? Da hat es mir auch nicht weitergeholfen, dass ich drei Menschenkinder groß gezogen habe :-). LG

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